Deinen Stern sehen. Ein Gespräch mit Pastorin Zanda Ohff in Hamburg

Zanda ist sehr offen und beginnt zu erzählen, ohne auf eine konkrete Frage von mir zu warten. Sie verbrachte ihre Kindheit in den 1990er-Jahren in Lettland und ist somit ein echtes Kind dieser Zeit. Unser Land erlebte damals viele Veränderungen. In dieser Zeit erkannte Zanda ihre Berufung und verstand, welchen Weg sie im Leben gehen wollte: den Weg zu Gott. Dieser Weg begann im Sonntagsschulunterricht der Kirche in Vecauce, wo sie später ordiniert wurde.

 

Nach ihrem Schulabschluss in Jelgava entschied sich Zanda für ein Theologiestudium an der Universität Lettlands. Das Studium gestaltete sich sehr interessant, da mehrere Exilpastoren nach Lettland gekommen waren, darunter Juris Cālītis und Visvaldis Klīve, aber auch andere, die ihre Erfahrungen aus dem Westen mit ihr teilten. Immer wenn die Frage aufkam, was sie mit ihrer theologischen Ausbildung anfangen wolle, fand Zanda die Antwort: „Wenn Gott will, wird er deinen Weg finden.“

 

Der Eiserne Vorhang stellte bereits seit mehreren Jahren kein Hindernis mehr dar, in andere Länder zu reisen, und Lettland stand kurz vor dem Beitritt zur Europäischen Union, als Zanda 2003 mit einem DFG-Stipendium (Deutsche Forschungsgemeinschaft) an die Universität Greifswald ging, um dort promoviert zu werden. Es war eine abenteuerliche Zeit für Zanda, da sie für ihre Forschung viel reiste und viele Orte in Europa kennenlernte. Sie besuchte auch den Lutherischen Weltbund in Genf.

 

Die Dissertation blieb jedoch unvollendet, da Henrik in Zandas Leben trat.

Interessanterweise lernte Zanda schon vor ihrem zukünftigen Ehemann dessen Vater kennen. Die Gemeinde in Vecauce hatte eine Partnergemeinde in Behlendorf, wo Henriks Vater arbeitete. So nahm alles seinen Lauf.

 

Nach ihrem Umzug nach Hamburg stellte sich ihr erneut die Frage nach ihrer beruflichen Zukunft. Ohne zu zögern, obwohl sie befürchtete, abgelehnt zu werden, bewarb sich Zanda auf eine Pfarrstelle. Doch schon am nächsten Tag erhielt Zanda eine Zusage für ein Praktikum, und wenige Monate später begann das Vikariat – ein praktisches Ausbildungsprogramm für Pastoren.

 

Zanda erinnert sich an ihre Worte aus Lettland vor einigen Jahren: „Wenn Gott will, wird er deinen Weg finden.“ Nun hat sich dieser Glaube bewahrheitet.

 

Zanda lebt und arbeitet im ruhigen Hamburger Stadtteil Othmarschen und zieht ihren sechsjährigen Sohn Kārlis groß. Kārlis spricht fließend Lettisch. Das ist sicherlich auch Zandas Mutter zu verdanken, die mit ihr zusammenlebt und viel Zeit mit Kārlis verbringt. Auf die Frage, wo Zanda neue Kraft tankt, antwortet sie: am Wasser – sei es bei einem Spaziergang an der Elbe oder am Meer. Henriks Mutter ist Dänin, daher verbringt die Familie oft Zeit an der Dänischen See.

Zum Schluss stelle ich Zanda die entscheidende Frage: Was würde sie Menschen sagen, die sagen: „Ich bin deprimiert von der Zeit, in der wir leben, von der Ungewissheit, der Ungewissheit über die Zukunft“? Zanda antwortet mit einem Beispiel, genauer gesagt mit einem Neujahrsgruß eines russischen Freundes, der in Deutschland lebt. Sein Wunsch war, auf dem Schlitten zu bleiben, wenn die gewohnte Weltordnung zusammenbricht und uns wie eine Lawine vom Hang reißt.

 

Zanda fügt hinzu: Und die Kunst besteht darin, wenn man hinfällt, danach wieder aufzustehen und sich neu zu orientieren, einen neuen Platz zu finden. Zu verstehen, wo die Sterne leuchten. Egal, wohin wir fallen, wir bleiben in dieser Welt Gottes.

Lauma Leukefelde sprach mit Zanda Ohff

Redaktion: Andris Zemītis

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